Gelenkerhalt & Geweberegeneration

Biologische Therapie: Eigenblut (PRP/ACP), Stoßwelle & Hyaluronsäure

Viele Sehnen- und Gelenkerkrankungen an Schulter, Ellenbogen, Hand und Fuß lassen sich ohne Operation behandeln. Biologische Verfahren nutzen und fördern die körpereigene Heilung. Sie sind für viele Betroffene eine echte Alternative zur Operation – und gegenüber der Kortisonspritze die nachhaltigere Wahl.

Was passt zu welcher Erkrankung? – Übersicht

Die Übersicht zeigt, welche Verfahren wir häufig einsetzen. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheiden wir gemeinsam nach der Untersuchung. Ein gezieltes Übungsprogramm ist bei allen Erkrankungen die Grundlage.

ErkrankungHäufig eingesetzte biologische Verfahren
KalkschulterStoßwelle (fokussiert); in der akuten Phase ggf. kurzzeitig Kortison
Engpass-Syndrom, Reizung der RotatorenmanschettePRP/ACP als Alternative zu Kortison, Stoßwelle
Naht der RotatorenmanschettePRP/ACP zur Unterstützung der Sehnenheilung
Tennis- und GolferellenbogenPRP/ACP, Stoßwelle
Fersenschmerz (Plantarfasziitis)Stoßwelle (Kassenleistung nach 6 Monaten), ACP/PRP
AchillessehneStoßwelle, ergänzend PRP/ACP
Arthrose (Schulter, Ellenbogen, Daumensattelgelenk, Großzehe, Sprunggelenk)PRP/ACP, Hyaluronsäure, ggf. kombiniert

Mehr zu den einzelnen Krankheitsbildern und die passenden Übungspläne finden Sie auf unseren Seiten zu Schulter, Ellenbogen, Hand und Fuß.

Eigenbluttherapie

Plättchenreiches Plasma (PRP) und ACP

Was ist das? Aus einer kleinen Menge Ihres eigenen Blutes (etwa 15 ml) wird in einer Zentrifuge der Plasmaanteil mit den Blutplättchen abgetrennt und konzentriert. Blutplättchen enthalten Wachstumsfaktoren und Botenstoffe, die Entzündungen dämpfen und die Reparatur von Sehnen und Gelenkgewebe anstoßen. ACP („autologes konditioniertes Plasma“) ist ein häufig verwendetes Verfahren zur Herstellung eines solchen plättchenreichen Plasmas.

Ablauf der Eigenbluttherapie: Blutentnahme, Zentrifugieren, Gewinnung des plättchenreichen Plasmas, gezielte Injektion
Ablauf der Eigenbluttherapie (PRP/ACP) · Schemazeichnung, mit KI-Unterstützung (Claude) erstellt · zur Veranschaulichung, keine exakte anatomische Darstellung

Warum wir es einsetzen: Im Gegensatz zur Kortisonspritze unterdrückt PRP die Heilung nicht, sondern unterstützt sie. Die Wirkung setzt langsamer ein – dafür hält sie in Studien länger an.

Was die Studien zeigen
  • Tennisellenbogen: In einer Netzwerk-Metaanalyse randomisierter Studien war Kortison nur in den ersten Wochen überlegen. Ab etwa 2 Monaten führte PRP zu deutlich weniger Schmerz und besserer Funktion als Kortison (Tang et al., PM&R 2020). Auch gegenüber einer Kontrollinjektion zeigte PRP nach 24 Wochen eine stärkere Schmerzlinderung (Mishra et al., Am J Sports Med 2014).
  • Fersenschmerz (Plantarfasziitis): Eine aktuelle Metaanalyse fand mit PRP eine bessere Fußfunktion als mit Kortison; der Effekt hielt länger an, während die Kortisonwirkung nachließ (Aleid et al., 2025).
  • Rotatorenmanschette: Wird PRP bei der arthroskopischen Sehnennaht eingesetzt, sinkt das Risiko eines erneuten Sehnenrisses in einer Metaanalyse von 25 Studien um rund 20 % (J Clin Med 2023). Bei Sehnenreizungen und Teilrissen ist PRP eine Alternative zur Kortisonspritze.
  • Arthrose: Am besten untersucht ist das Kniegelenk. An Schulter, Ellenbogen, Daumensattelgelenk, Großzehe und Sprunggelenk setzen wir PRP zur Schmerzlinderung und zum Gelenkerhalt ein, wenn Übungen allein nicht ausreichen.

Wie bei jeder Behandlung sprechen nicht alle Patientinnen und Patienten gleich gut an. Die Studien unterscheiden sich in Aufbereitung und Dosierung; die Leitlinie zum Tennisellenbogen (2019) hält die Datenlage noch nicht für abschließend.

Typische Anwendungen
  • Sehnen: Tennis- und Golferellenbogen, Reizungen und Teilrisse der Rotatorenmanschette, Fersenschmerz (Plantarfasziitis), Achillessehne, Sehnenansätze an Hand und Fuß
  • Gelenke: Arthrose von Schulter, Ellenbogen, Daumensattelgelenk (Rhizarthrose), Großzehengrundgelenk (Hallux rigidus) und Sprunggelenk
  • Bei Operationen: zur Unterstützung der Sehnenheilung, z. B. bei der Naht der Rotatorenmanschette
Ablauf der Behandlungca. 20 Minuten

Blutentnahme: Wie beim Hausarzt wird etwas Blut aus der Armvene entnommen.

Aufbereitung: Das Blut wird wenige Minuten zentrifugiert, das plättchenreiche Plasma abgetrennt.

Injektion: Gezielt an den Sehnenansatz oder in das Gelenk, bei Bedarf unter Ultraschallkontrolle.

Anzahl: Je nach Erkrankung 1 bis 3 Injektionen bei Sehnen, bei Arthrose meist eine Serie von 3 Injektionen im Abstand von etwa einer Woche.

Danach: Für 1 bis 2 Tage kann die Stelle stärker schmerzen – ein Zeichen der angestoßenen Heilreaktion. Kühlen hilft. Die volle Wirkung entwickelt sich über einige Wochen; die Übungen aus Ihrem Übungsplan setzen Sie fort.

Verträglichkeit und Vorbereitunggut verträglich

Körpereigen: Da nur Ihr eigenes Blut verwendet wird, sind allergische Reaktionen nicht zu erwarten. Es wird kein Kortison gespritzt.

Risiken: Wie bei jeder Injektion selten Bluterguss oder Infektion.

Schmerzmittel: Entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) können die Wirkung abschwächen. Wir besprechen mit Ihnen, ob Sie sie vor und nach der Behandlung einige Tage pausieren.

Kosten: Die Eigenbluttherapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Private Krankenversicherungen übernehmen sie häufig. Wir informieren Sie vorab über die Kosten.

Stoßwellentherapie

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Was ist das? Energiereiche Schallwellen werden von außen über die Haut in das erkrankte Gewebe geleitet. Die fokussierte Stoßwelle erreicht dabei gezielt tief liegende Sehnenansätze und Kalkdepots, die radiale Druckwelle wirkt eher oberflächlich und flächig. Die Stoßwelle regt Durchblutung und Stoffwechsel an, kann Kalkdepots auflösen helfen und dämpft die Schmerzweiterleitung.

Fokussierte Stoßwelle an der Ferse: Der Applikator bündelt die Stoßwellen am Sehnenansatz am Fersenbein
Fokussierte Stoßwelle am Beispiel Fersenschmerz · Schemazeichnung, mit KI-Unterstützung (Claude) erstellt · zur Veranschaulichung, keine exakte anatomische Darstellung

In unserer Praxis verwenden wir die fokussierte Stoßwelle. Die aussagekräftigsten Studien, etwa zur Kalkschulter, wurden mit fokussierter Stoßwelle durchgeführt. Bei Sehnenerkrankungen – an Schulter, Ellenbogen, Ferse und Achillessehne – ist sie eine gut verträgliche Behandlung ohne Spritze und ohne Operation.

Was die Studien zeigen
  • Kalkschulter: In einer großen placebokontrollierten Studie verbesserte die hochenergetische Stoßwelle Schmerz und Schulterfunktion deutlich stärker als eine Scheinbehandlung; die Kalkdepots wurden häufiger kleiner (Gerdesmeyer et al., JAMA 2003).
  • Fersenschmerz (Plantarfasziitis): Die Wirksamkeit ist so gut belegt, dass die Stoßwelle seit 2018 eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist – wenn die Beschwerden trotz Einlagen und Dehnübungen seit mindestens 6 Monaten bestehen (Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses).
  • Tennisellenbogen: Die Leitlinie empfiehlt die Stoßwelle bei hartnäckigen Beschwerden als Behandlungsmöglichkeit; Komplikationen sind selten.
  • Achillessehne und weitere Sehnenansätze: Ergänzend zum Übungsprogramm, wenn die Beschwerden über Monate bestehen.
Ablauf der Behandlung5 bis 15 Minuten

Sitzungen: Meist 3 bis 5 Sitzungen im Abstand von etwa einer Woche.

Spürbar: Die Behandlung ist deutlich spürbar und kann kurz unangenehm sein; die Intensität passen wir an. Danach können vorübergehend Rötung oder ein kleiner Bluterguss auftreten.

Danach: Am Behandlungstag keine starke Belastung. Die Besserung tritt meist über einige Wochen ein.

Kosten: Beim Fersenschmerz unter den genannten Voraussetzungen Kassenleistung; bei anderen Erkrankungen eine Selbstzahlerleistung – wir informieren Sie vorab.

Gelenkschmiere

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und sorgt für Gleitfähigkeit und Pufferwirkung. Bei Arthrose ist die Gelenkflüssigkeit dünner. Eine Injektion von Hyaluronsäure kann bei manchen Patientinnen und Patienten Schmerzen über Monate lindern – die Studienlage ist allerdings uneinheitlich. Wir setzen sie gezielt bei Arthrose kleinerer Gelenke ein, auf Wunsch auch kombiniert mit einer Eigenbluttherapie. Die Behandlung ist eine Selbstzahlerleistung.

Injektion von Hyaluronsäure in ein Gelenk
Injektion in das Gelenk · Schemazeichnung, mit KI-Unterstützung (Claude) erstellt · zur Veranschaulichung, keine exakte anatomische Darstellung
Einordnung

Und die Kortisonspritze?

Kortison wirkt stark und schnell entzündungshemmend. In einer akuten, sehr schmerzhaften Phase ist das sinnvoll – etwa bei einer akuten Schleimbeutelentzündung, in der ersten Phase der Schultersteife oder bei einem akuten Kalkschulter-Schub.

Warum wir Kortison bei chronischen Sehnenbeschwerden zurückhaltend einsetzen
  • Die Wirkung hält meist nur wenige Wochen an. Beim Tennisellenbogen waren die Ergebnisse nach 6 bis 12 Monaten in Studien sogar schlechter als ohne Spritze, mit mehr Rückfällen (Coombes et al., Lancet 2010). Die Leitlinie hält fest: keine langfristige Besserung, mögliche Komplikationen.
  • Kortison bremst die Gewebeheilung und kann Sehnen und Bänder schwächen – wiederholte Spritzen erhöhen das Risiko eines Sehnenrisses oder einer Bandlockerung. Injektionen direkt in die Sehne sind gefährlich.
  • Weitere mögliche Nebenwirkungen: Aufhellung und Dünnerwerden der Haut an der Einstichstelle, Fettgewebsschwund, vorübergehend erhöhter Blutzucker bei Diabetes.

Unser Vorgehen: Kortison setzen wir nach individueller Abwägung und gemeinsamer Besprechung ein – überwiegend in der Akutphase und möglichst nicht häufig wiederholt. Für die nachhaltige Behandlung setzen wir auf Training, Stoßwelle und Eigenbluttherapie.

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